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Frames – In Via

frames-in-via1Label: Steamhammer / SPV

Spielzeit: 59:32 Min.

Genre: Post/Art Rock

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

VÖ-Datum: 20. April 2012


Aus der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover kommend, liefert das Quartett nun im fünften Jahr ihres Bestehens des Werk „In Via" ab, das zu erkunden mir als Aufgabe zufällt.

Und diese Aufgabe verspricht überaus interessant zu werden. So weit ich mich erinnern kann, habe ich nämlich bisher kein einziges, rein instrumentales Werk während meiner Zeit bei XXL-Rock gereviewed (geiles Wort! - Sven) - bei meiner letzten Zählung waren das immerhin schon rund 40-45 Werke - also wird es mal Zeit.

Zur Aufnahme haben sich die Hannoveraner passenderweise für ihr Sujet das hannoversche Institut für Wohlklangforschung (sic!) ausgesucht. Können die jungen Männer damit an die teils überragenden Kritiken des Debüts Mosaik anknüpfen? Und wird das aktuelle Album damit zum „Durchbruch" für die engagierten Musiker? Dies gedenke ich nun rauszufinden.

„Entrance" trägt den Hörer mit zunächst entspannten Klavierklängen in das Album, zeichnet das Bild eines erwachenden sonnigen Herbstmorgens und begleitet uns sanft hinein zu „Departure" welches mit betonter Gelassenheit beginnend allmählich eine Rhythmik entwickelt, die zusammen mit den leicht sphärischen, wohl platzierten Tönen einer Zugfahrt durch verschlafene Landschaften am frühen Morgen gleicht; da plötzlich setzt sich uns ein alter Mann gegenüber, der uns über Philosophie und Weisheit belehrt. Langsam nehmen die Riffs an Fahrt auf, und gleichsam fährt der Zug in die hektische Stadt ein. Plötzlich geht der Track in eine leise, verhaltene Passage ein, wir steigen aus dem Zug aus, und mit Verlassen des Bahnhofs finden wir uns im Treiben der Stadt wieder, welches überaus passend mit Jazzklavier und feinen Riffs begleitet wird.

Mitten in der Stadt treffen wir eine gute Freundin oder Freund - vielleicht unseren Schwarm? - wieder, und „Encounter" beginnt; geradezu sanft, ja, liebevoll nehmen uns die vereinzelten Klaviernoten mit - mit hektischer Betriebsamkeit nehmen plötzlich die Gitarren ihren Dienst auf, und wir drängen uns mit unserem geliebten Gegenüber in eine stille Ecke... und während wir wieder aus dieser Ecke herauskommen, merken wir, dass wir im Stadtpark angekommen sind, und die Geigen singen uns das Lied der Vögel. Wir legen uns auf den Rasen, beobachten den Flug der Wolken über uns und werden uns - begleitet vom heftigen, rhythmischen Riffing - der majästischen Macht eines Raubvogels gewahr, der über unseren Köpfen kreist. Immer atonaler und verzerrter werdend, werden wir aus unseren Träumen gerissen... Und werden uns in „Calm Wisdom" doch klar darüber, dass diese Beziehung, die wir mit unserem Gegenüber führen, im Grunde alles andere als glücklich ist; die musikalische Begleitung dazu geben uns Streicher und Klavier, die uns in Molltönen ihr Leid klagen...

Später am Tag begeben wir uns in die hektische Betriebsamkeit eines Samstagnachmittages in einer belebten Einkaufsstraße, die Gitarren spielen uns passend dazu ein kaskadisierendes Riff, der Bass darf aus den vollen der progressiven Richtung schöpfen - „Stir" hat begonnen. Während wir durch die Straße ziehen, werden wir uns eines geheimnisvollen Geschäfts gewahr, dass uns düster entgegenleuchtet - oder bilden wir uns das nur ein? Die Gitarren drehen auf, spielen ein vergleichsweise hartes Riffing, wir betreten derweil das Geschäft und werden uns all der Merkwürdigkeiten gewahr, die uns angeboten werden; da entdecken wir ein besonderes Gadget, schon vergessen wir die düstere Atmosphäre um uns und beginnen, uns mit diesem Gegenstand zu beschäftigen; das Gitarrenspiel erstirbt ein wenig, dafür nimmt der Bass etwas zu. Als „Reflections" beginnt, haben wir uns ein ruhiges Restaurant mit gediegenem Flair gesucht, und während uns die Kerze angezündet wird, perlt uns angenehme, Lounge-artige Musik entgegen. In dem Moment, in dem die Gitarren einsetzen, wird das Essen gebracht; und da bricht, aus einer unüberlegten Bemerkung heraus, kurz und heftig ein Streit aus uns heraus, bahnt sich - in Form einer krachenden Passage - seinen Weg, verraucht aber recht schnell; doch während die Loungemusik weiterläuft, merken wir, dass die Stimmung für diesen Abend hinüber ist. Das Klavier tönt atonal, fast ein bisschen unpassend zur Loungestimmung im Restaurant, und durch die Angespanntheit bricht der Streit in Form von krachenden Gitarrenriffs wieder hervor. Frustriert bitten wir um die Rechnung, und unser Frust meldet sich summend im Kopf in Form einer Rückkopplung. Eher unentspannt machen wir uns durch den Stadtpark auf den Rückweg und achten dabei auch kaum auf Büsche und Sträucher; plötzlich sträuben sich die Nackenhaare...

... und „Eris" startet mit verzerrten Rückkopplungsgeräuschen, die Drums und der Bass sind mit Hall unterlegt. Wir befinden uns im dunklen Stadtpark, werden uns dieses Umstands mit einem Schlag bewusst, und während in uns allmählich die Panik hochsteigt - repräsentiert durch das bislang heftigste Riffing des Albums - kommen uns einige abgerissene Gestalten mit Messern hinterher; wir schaffen es zunächst, uns in den Büschen zu verstecken, kommen langsam runter; zeitgleich perlt eine etwas entspanntere, nichts desto trotz immer noch angstgeschwängerte Passage entgegen, die nicht entsprechender Instrumentierung spart; da , plötzlich, wurden wir entdeckt und beginnen loszurennen, was entsprechend durch die Drums - jetzt partiell im Doublebassdrumming - unterstrichen wird. Als wir das Ende des Stadtparks erreichen, fühlen wir uns sicherer, die durch Streicher und Klavier transportierte Stimmung legt uns gar eine gewisse Euphorie nahe. Doch wir wissen, völlig werden wir uns für den Rest des Abends nicht mehr fühlen. Und hätten wir es nicht gewusst, werden wir - transportiert durch das plötzliche Hammerriffing - auf einmal überfallen und brutal zusammengeschlagen, während unsere Begleitung hilflos danebensteht und schreiend um Hilfe fleht. „Don't Stay Here" - mit fast schon depressiv anmutenden Klaviertönen und leichtem, jazzigen Drumming erwachen wir im Krankenhaus, sehen an uns runter und verfallen in vitale Verzweiflung. Warum musste es uns passieren? Immer wieder hämmert uns diese Frage wie monotones, abgehacktes Riffing durch den Schädel. Da bemerken wir, dass unser geliebtes Gegenüber mit uns hier ausgeharrt hat, uns tröstend die Hand an die Wange hält; leichte Glockenklänge begleiten uns dabei, fast schon beschwingtes Blues- und Jazzspiel des Bassisten und vereinzelte Klavierakkorde helfen und bei der Erkenntnis, dass doch nicht alles an dieser Beziehung so schlecht sein kann, wie wir glauben. In unserer Euphorie über diese Erkenntnis schauen wir unserem geliebten Gegenüber in die Augen, doch plötzlich hämmern wieder diese Riff-begleiteten Zweifel durch unseren Schädel und verdrängen nach und nach unsere romantischen Gefühle. Unter Tränen bitten wir das geliebte Wesen, uns nun allein zu lassen, und tiefe Melancholie zieht in unser Gemüt...

Groovendes, treibendes Riffing begleitet uns in die „End Of A Decade". Unsere/r Partner/in hat uns die Szene im Krankenhaus nicht vergeben, und als wir aus dem Krankenhaus zurückkommen, gibt es den vielleicht größten Krach der gesamten Beziehungsgeschichte, der immer wieder, durch die nervöse und melancholische Frage durchbrochen wird, ob dies nun das Ende sei? Die melancholischen Phasen sind durch fiese Synthesizer-Sounds im Hintergrund begleitet, durch tottraurige Klavierakkorde, und während wir uns diese Frage stellen, baut sich langsam die nächste Streitphase auf, die nochmal ähnlich heftig ausfällt wie die erste. Doch irgendwie schwingt da jetzt etwas anderes mit, mehr Aggression, mehr Verbissenheit, und entsprechend fällt das Riffing aus. Und langsam wird uns klar, dass all diese Streiterei zu nichts führen wird, vertragen uns fürs erste, und die Streicher stimmen uns zu. Und doch haben wir uns ein wenig später getrennt, wie der Anfang von „Coda" deutlich macht. Wir sitzen am Fenster, unsere Traurigkeit spiegelt sich im Klavier- und Gitarrenspiel, und stetig fallen schwermütige Regentropfen auf den Asphalt vor unserer Wohnung. Plötzlich fällt uns der Alte aus dem Zug ein, man erinnert sich an die Weisheiten, die er an uns getragen hat, und wir verfallen in eine Art melancholische Euphorie, die Gitarren, der Bass setzen mit ein, das Schlagzeugspiel gibt ein wenig von seiner Zurückhaltung auf, und Dur-Klänge schwingen versteckt mit. Der Hauptperson wird in diesem Moment klar, dass alles ein Ende hat und auch haben muss, er richtet sich langsam auf, sieht aus dem Fenster, und der Regen versiegt zusammen mit dem Track, bis nur noch die Sonne zu sehen ist.

Ich muss zugeben, der Anteil an wirklich harten Passagen, die die Bezeichnung als Rockband rechtfertigen, ist auf diesem Album erschreckend gering im Vergleich zu den eher ruhigen Parts. Und dennoch vermochte ich es nicht, mich der Sogwirkung dieses Albums, dass schon fast ein Konzeptalbum über das Leben ist (vielleicht deshalb der Albumname?), zu entziehen.

Geradezu magisch entführt In Via in eine Welt, die im Kopfkino jedes Einzelnen eine ganz andere Landschaft entstehen lässt; und genau deshalb habe ich heute darauf verzichtet, mich bloß mit dem musikalischen Aspekt zu befassen - es wäre dem Album als solchen nicht gerecht geworden. Statt dessen habe ich meine Eindrücke, mein Kopfkino wieder gegeben, und das Ergebnis niedergeschrieben.

Ich muss natürlich zugeben, dass dieses Album für reine Metalheads und Heavy Rock Enthusiasten wahrlich schwere Kost und wohlmöglich kaum zu verdauen ist. Allen anderen empfehle ich: Kopf ausschalten, wirken lassen, den Film genießen. Denn dass das Album fast eine Stunde Spielzeit aufweist und die meisten Tracks nicht unter sechs Minuten ins Ziel kommen, nimmt man nicht wahr - und so soll doch ein Instrumentalalbum sein!

Fazit:

Frames haben mit „In Via" ein Werk geschaffen, dass von der Bereitschaft des Hörers lebt, sich ganz und gar auf das Konzept als solches einzulassen und dabei eine fein austarierte Mischung aus hart rockenden Momenten, tiefster Melancholie, jazzigen Einschüben und ab und an atonalen Versatzstücken schafft, die vor allem eins kann und dass in reinster Perfektion: Bilder entstehen zu lassen und dabei tiefste Entspanntheit zu ermöglichen. Ein Wahnsinnswerk für Liebhaber tiefgründiger Musik. Von daher ganz klar:

xxl

Michael Denkers

Tracklist:

01. Entrance
02. Departure
03. Encounter
04. Calm Wisdom
05. Stir
06. Reflections
07. Eris
08. Don't Stay Here
09. End Of A Decade
10. Coda

XXL-Tipp

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