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Der Weg Einer Freiheit - Unstille

der weg einer freihaitLabel: Viva Hate Records

Spielzeit: 46:30 Min.

Genre: Black Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

VÖ-Datum: 29. Juni 2012


Black Metal ist ja normalerweise ein Genre, welches ich gerne dem Kollegen Hemmer überlasse. Mit den meisten Bands in dieser Richtung kann ich nichts anfangen, da ich mich mit ihren satanischen Texten und dem Image nicht identifizieren kann (wer mich kennt weiß warum). Doch bei Bands, bei denen das nicht so ist werde ich schnell hellhörig und Der Weg Einer Freiheit ist so eine Band.

Gegründet 2009 im bayrischen Würzburg machten sie sich schon schnell mit ihrem in Eigenregie herausgebrachten Debütalbum einen Namen. Nachdem Viva Hate Records auf die Band aufmerksam wurde konnten sie ihr schnell vergriffenes selbstbetiteltes Album erneut rausbringen. 2011 kam dann die EP „Agonie" heraus und somit konnten sie ihren Status als neue deutsche Black Metal Hoffnung festigen.
Eher durch Zufall kam ich an die Band heran und hörte mir eines ihrer Stücke an (ich weiß aber nicht mehr welches^^). Auf Anhieb faszinierte mich der atmosphärische Klang des Stückes und die tiefgründigen Texte, die man bei genauem hinhören gut verstehen konnte. Ich dachte mir, warum nicht mal ein Ohr riskieren? Was habe ich zu verlieren?

Mit „Unstille" liegt vor mir das Zweitwerk vor und mit gerade mal 6 Stücken frage ich mich, ob das wirklich eine LP ist, doch die Gesamtlänge des Silberlings lässt daran keinen Zweifel offen. Niemand geringeres als Kreator Urgestein Mille Petrozza lobt dieses Album in ungeahnte Höhen. Die Neugier packt mich nur noch mehr und so lasse ich mich ein in die dunkle Landschaft der Unstille.

Mit 12 ½ Minuten ist der Opener „Zeichen" schon mal kein Leichtgewicht. Unheimliche atmosphärische Klänge leiten diesen Epos ein und entführen den Hörer in ein düsteres Territorium

Es wird Nacht, über mir sehe ich die schwarzen Wolken und den dunkelgrauen Himmel. Die Ruhe wird durch den Gitarrenriff und die hämmernden Blastbeasts unterbrochen. Der Klang ist dabei unheimlich intensiv und der einsetzende Gesang tut ihr übriges. Poetisch wird es gleich, „Es wird dunkel, die Welt zerbricht...." fängt die Stimmung gekonnt ein und die Unstille im Herzen wird spürbar. Die erste Zeile im Refrain „auf ewig ziehst du weiter..." begleitet den Protagonisten in seiner endlosen Reise in der Dunkelheit und die gekonnten kleinen Tempowechsel unterstreichen das Gefühl, kein Zuhause mehr zu haben. Dann kommt nach einem rasenden Getöse die Stille wieder und die Gitarrenmelodie taucht den Hörer in ein Meer von Melancholie. Dann kommt die Härte in Spuren wieder, entwickelt sich aber langsam und bedacht ohne dabei zu verstören. Die klangliche Abwechslung ist erstaunlich und ich könnte so viele Worte darüber verschwenden. Langsam und leiser werdend verabschiedet sich der Opener vom Hörer und ich bin versucht, die Repeat Taste zu betätigen.

Forsch beginnt dafür „Lichtmensch" und die technische Raffinesse der Band wird auch hier deutlich, denn die Geschwindigkeit wird nahezu konstant gehalten und sorgt für den nötigen Druck. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es sich hier um die Schaffung eines neuen Menschen handelt. Meine Ahnung wird bestätigt als ich die Textzeile „Nimm Abschied von dir selbst, vom Menschen der du warst" heraushöre, als ob der Protagonist sein altes Ich ablegen und sterben lassen muss. Faszinierend geradezu. Melodisch ruhig und mit gezupfter Gitarre beginnt „Nachtsam" beruhigend und sanft. Als die Riffs erklingen, wird nichts von der Ruhe eingebüßt sondern sie wird nur verstärkt. Druckvoll wird es mit der einsetzenden Doublebass und das Instrumental bekommt dadurch nur noch mehr Durchschlagskraft. Ein Track zum zurück lehnen und genießen.

Geheimnisvoll wird es bei „Zu Grunde" und man kann wieder in den Track eintauchen, wird aber durch die einsetzenden Riffs und Trigger aus der Ruhe entrissen. Das dürfte den Tracknamen allein schon alle Ehre machen. Rein textlich wird die Poesie weiterhin auf einem hohen Niveau agiert und es geht nicht wie ich dachte um den Untergang des Seins sondern um die Weiterentwicklung des selbigen. Man fühlt sich lebendiger, tiefgründiger und aufgeschlossener. Durch die Härte der Musik hindurch fühlt man eine Lebendigkeit ohne Gleichen. Diese rückt aber bei „Vergängnis" wieder in den Hintergrund und die Stimmung wird erneut düster. Die Hauptmelodie trägt sich im angenehmen Midtempo und der selbstverständlichen Melancholie, die die Platte vorher schon ausgezeichnet in Szene gesetzt hat. Ein Einspieler aus wie ich vermute einem Hörspiel ist nur ein Sahnehäubchen eines sonst super dargebrachten Lyrik. Der Vergänglichkeit der Zeit wird total greifbar ohne das man zu viel hinein interpretieren muss. Man fragt sich, was sind meine heutigen Taten morgen noch wert? Wer wird sich daran erinnern? Mit diesen Fragen im Hinterkopf schließt der Song auch schon ohne das ich es merke.

Der Schlusstrack „Zerfall" setzt ein verstörendes Fundament voraus. Die Unstille bleibt auch hier klanglich spürbar; abwechselnde Takte und Tempovariationen sorgen auch wie beim Opener für eine erfrischende Kurzweil. Mit über 10 Minuten kann sich der Song auch nicht über wenig Spielraum beklagen. Man hält sich fest an der Atmosphäre, man will diesen Moment auf ewig festhalten. Umso schade finde ich, dass dieses Album fast vorbei ist. Nach dem furiosen Auftakt wird es zwischendurch ruhig, um dann all die Härte auf einmal rauszuhauen. Emotional, wütend und traurig zugleich wirkt auch das Gitarrensolo, welches gegen Schluss noch aufgefahren wird und dann wieder Stille.

Also Leute, was mich betrifft bin ich total geflascht und ich bin mir bei weitem nicht sicher, ob ich euch durch meine Worte nur einen winzigen Eindruck der Genialität wiedergeben kann, welches „Unstille" auszeichnet. Dieses Album übertraf meine Erwartungen immens und ich konnte nicht anders als die Scheibe mehrmals wieder zu hören. Der Weg Einer Freiheit schaffen es ein musikalisches und lyrisches Niveau über eine Dreiviertelstunde zu halten ohne dabei auch nur einen Schwachpunkt zuzulassen.

„Unstille" wird mit Abstand eines der besten Black Metal Alben des Jahres werden. Intensität, Melancholie, Herzensschwere und Tiefgründigkeit wurden ohne Schwierigkeiten miteinander verknüpft. Black Metal Gemeinde, verneigt euch vor diesem Meisterwerk! Ich gebe, ich kann nicht anders, ein absolutes XXL

Ben Denkers

xxl

Trackliste:

1. Zeichen
2. Lichtmensch
3. Nachtsam
4. Zu Grunde
5. Vergängnis
6. Zerfall

XXL-Tipp

XXL TippxxlSulphurAeon

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